Miniatur_Jo Hamya: Die Scheinheiligen
Übersetzung: Nicolai von Schweder-Schreiner.
Klett-Cotta Verlag, 2026.
Erst hatte er angenommen, dass Sophie ihm nichts von dem Stück erzählt hatte, weil es ihr peinlich war. Damit er nicht sagen konnte, es sei schlecht. Bisland kann er das nicht wirklich behaupten. Er war guten Willens gekommen, aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Tatsächlich war sie besser als er. Jetzt die Erkenntnis - vielleicht wollte sie seine Gefühle schonen und nicht ihre.
S. 77

Sophia schont die Gefühle ihres Vaters nicht: In ihrem Theaterstück wird ein gemeinsamer Urlaub detailliert nachempfunden, der vor zehn Jahren stattfand. Er musste damals einen Roman fertigstellen, stellt sie in wohlwollender Herablassung als Sekretärin ein und fühlt sich gut in seiner Lockerheit (und bemerkt ihre Beklemmung und Unzufriedenheit nicht). Nun sitzt er in ihrem Theaterstück und schaut sich selbst zu. Und beide - Sophia und ihr Vater, mit ihren zerknüllten Taschentüchern in den Sofaritzen, ihrem Müll, dem Küchenchaos und ihrer Selbstverständlichkeit in der geübten Lockerheit - sind damals nicht dem Blick der Haushälterin Elena entgangen.
Für Liebhaber*innen von
# Vater-Tochter-Geschichten
# enthüllenden Blicken
# Künstlerromanen

Kommentare