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Miniatur_Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter

  • vor 1 Tag
  • 1 Min. Lesezeit

«Ich hatte immer geglaubt, der Schrank sei sehr gross, viel zu gross für das kleine Zimmer, aber das stimmte nicht, er passte perfekt, und mit ihm wurde es plötzlich ein richtiger Raum, den ich gerne betrat. Und ich war endlich erwachsen genug geworden, um den Schrank zu besitzen, der vorher meiner Urgrossmutter, dann meiner Grossmutter und zuletzt meiner Mutter gehört hatte. Meine Urgrossmutter hatte den Schrank ihren heiligen Dichtern geweiht, meine Grossmutter den Spielereien, die sie fröhlich machten, meine Mutter hatte ihn wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt, wenn auch mit kleinen Variationen. Und ich? Ich habe heineingestellt, was sie über ihr Leben geschrieben haben. Die vielen Tagebücher, die sie hinterlassen haben, stehen jetzt hinter den zweimal achtzehn Fenstern.»

S. 10f.

Anders in vielerlei Hinsicht, ähnlich aber auch. Ganz andere Lebenssituationen und doch ähnliche Wünsche, Hoffnungen und Enttäuschungen. Keine Heldinnentaten, aber nicht ohne Mut, Kampfeswillen und Chuzpe gegenüber einer Welt, die sie nicht so wünscht, wie sie sind. Und was am Ende bleibt: Ein Bücherschrank mit Büchern, Tagebüchern, Briefen. Frauen, die lieben, hoffen und wünschen. Die sich selbst noch schärfer als die anderen kritisieren; die versuchen, einen Platz zu finden.


Für Liebhaber*innen von

# Mütterromanen

# Jahrhundertumspannende Geschichte(n)

# Erbe(n)


 
 
 

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