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Zitat_Hartmut Rosa: Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums

  • 2. Feb.
  • 1 Min. Lesezeit

Suhrkamp, 2026.

Wenn wir als Gesellschaft die schleichende Transformation unseres Tätigseins vom Handeln zum Vollziehen aufhalten wollen, müssen wir damit beginnen, uns wechselseitig und vor allem auch institutionell als moralische verantwortliche Akteure wahrzunehmen; dann müssen wir uns wechselseitig und institutionell zumuten, solche Akteure zu sein, die sich gegenseitig Spielräume des Handelns zugestehen wollen. Vertrauen in die erfahrungsbasierte Urteilskraft des jeweils anderen muss dabei der Grundmodus der Interaktion sein. Und wenn dies utopisch klingt, sollten wir uns vor Augen führen, dass dies in vielen Kontexten de facto ohnehin und unvermeidlich der Fall des Alltagshandelns ist: Wir vertrauen auf solche grundsätzliche Weise dem Urteil und dem Handeln der Hausärztin, des Klempners und des Computerspezialisten. Das bedeutet nicht, einfach auf Kontrolle zu verzichten und die jeweils Abhängigen der Willkür und gegebenenfalls den Vorurteilen der Verantwortlichen zu überlassen. Nichts spricht gegen eine klug eingesetzte Supervision auf der Metaebene des Handelns in und zwischen Organisationen, die dort einschreitet, wo es Hinweise auf systematische Korruption oder Willkür gibt. Die durchaus notwendige und sinnvolle konstellative Kontrolle wird auf diese Weise gleichsam aus dem Bereich des situativen Handlungsvollzugs auf die systemische Metaebene zurückverlagert.

S. 216f.





 
 
 

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