Zitat_Matthias Bormuth: Von der Unheimlichkeit der Welt. Denken mit Hannah Arendt
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Matthes & Seitz, 2025.
Ihr (Hannah Arendt) ging es um Rahel Varnhagens unmittelbares Erleben. Die Briefautorin hätte ohne feste Weltanschauung das Leben erfahren, sich eine nie nachlassende Wachheit und Schmerzfähigkeit erhalten, um treffbar und bewusst zu bleiben. Suggestiv heisst es bei Arendt: Worauf es ihr ankam, war, sich dem Leben so zu exponieren, dass es sie treffen konnte "wie Wetter ohne Schirm". Die junge Philosophin war fasziniert von Rahels höherer Passivität, die sie auf die Frage, was sie mache, hätte antworten lassen: Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. Arendt sah die brieflichen Quellen, die solche Selbstaussagen boten, als andauernde Transformation des Erlebten: Was ihr zu tun verblieb, war (...) das Geschehene in ein Gesagtes zu verwandeln. Dies gelingt, indem man in der Reflexion sich selbst und anderen die eigene Geschichte immer wieder vor und nacherzählt; dadurch wird sie zum Schicksal: "Es hat ein jeder ein Schicksal, der da weiss, was er für eines hat."
S. 24


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